NORDSEE IST MORDSEE 

Der 14-jährige Uwe lebt in einer Hamburger Vorstadtsiedlung, die von allen nur "Niggertown" genannt wird. Von seinen Eltern hat der Junge außer Stress nicht viel zu erwarten. Um an Geld zu kommen, knackt er Automaten, seinen Frust lässt er an den "Kanaken" aus. Zu ihnen gehört auch Dschingis, sein Erzfeind. Eines Tages aber schließen die beiden Kontrahenten Frieden. Sie freunden sich an, denn sie erkennen, dass sie die gleichen Probleme haben und von den gleichen Träumen und Hoffnungen getrieben werden. Am Ende stehlen sie ein Segelboot um gemeinsam abzuhauen – in Richtung Nordsee, einer vermeintlich besseren Zukunft entgegen.

 „Hark Bohms vierter Spielfilm (und zweiter Kinofilm) verarbeitet die miesen Lebensbedingungen, unter denen viele Heranwachsende der Arbeiter-Nachkriegsgeneration zu leiden hatten. Herausgekommen ist ein glaubhafter Abenteuerfilm, der das Lebensgefühl einer ohne Liebe aufwachsenden Jugend thematisiert - eine moderne Huckleberry-Finn-Geschichte.“  www.prisma-online.de

„Originell und kritisch. In den letzten Jahren wurden Filme aus der Bundesrepublik Deutschland in vielen Ländern bekannt. Junge Filmregisseure wie Werner Herzog, Rainer Werner Fassbinder und Volker Schlöndorff hatten mit mehreren Filmen Erfolg auf internationalen Filmfestivals, zum Beispiel in Cannes und New York. Viele Preise gewannen zum Beispiel ihre Filme „Aguirre, der Zorn Gottes“, „Angst essen Seele auf“ und „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“. Außer diesen drei Prominenten gibt es noch eine ganze Reihe guter junger Regisseure. Man spricht sogar von einer „Welle der Jungfilmer“ in der Bundesrepublik Deutschland. Ihre Filme verarbeiten kritisch menschliche und soziale Probleme, zeigen viel Originalität und sind außerdem gut fotografiert. Auch Hark Bohm, der Autor und Regisseur des Films „Nordsee ist Mordsee“ gehört zu den Jungfilmern, obwohl er schon 39 Jahre alt ist.“  JUMA 01/1977

Der 14-jährige Hamburger Uwe wird von seinem Vater geschlagen. Uwe kompensiert seinen Frust über diese Misshandlungen, indem er als Anführer einer Jugendbande den asiatischen Jungen Dschingis terrorisiert. Es kommt schließlich zu einem Zweikampf zwischen den Jungen. Nach dieser Auseinandersetzung werden Uwe und Dschingis Freunde. Aufgrund der zunehmenden Brutalität seines Vaters beschließt Uwe sein Zuhause zu verlassen. Er flieht zusammen mit Dschingis auf einem Floß die Elbe hinab Richtung Nordsee.

Uwe, der 14jährige Kopf einer Automatenknacker-Bande, und Dschingis, der gleichalterige Ausländerjunge, schlagen sich mehr schlecht als recht durchs Leben in der häßlich-grauen Arbeiter-Siedlung auf der Hamburger Elbinsel Wilhelmsburg. Zuerst bekämpfen sich die beiden, dann schließen sie notgedrungen Freundschaft, beseelt von einem gemeinsamen Traum, der gleich zu Beginn im Filmsong von Udo Lindenberg anklingt: "Ich träume oft davon, ein Segelboot zu klaun und einfach abzuhaun..." Zum Schluß sieht man die Freunde neben riesigen Schleppern die Unterelbe Richtung Nordsee segeln - Ende offen...
Hark Bohms vierter Spielfilm (und zweiter Kinofilm) verarbeitet die miesen Lebensbedingungen, unter denen viele Heranwachsende der Arbeiter-Nachkriegsgeneration zu leiden hatten. Herausgekommen ist ein glaubhafter Abenteuerfilm, der das Lebensgefühl einer ohne Liebe aufwachsenden Jugend thematisiert - eine moderne Huckleberry-Finn-Geschichte. Die Freiwillige Selbstkontrolle fürchtete bei den jungen Zuschauern so sehr einen Nachahmungseffekt, dass sie ihn erst ab 16 Jahren freigab. Doch Bohm, der eigentlich Rechtsanwalt ist, konnte noch eine Freigabe ab 12 Jahren durchsetzen.

Fast alle Personen im Film sind mit einander verwandt. So ist Dschingis Mutter auch im Film seine Mutter, aber auch die Cutterin des Films usw.

In einer Betonwüste auf der Elbinsel Hamburg-Wilhelmsburg leben die Jungen Uwe und Dschingis. Uwes Vater ist Barkassenführer. Meist kommt er betrunken von der Arbeit und lässt seinen Frust an der Familie aus. Deshalb will Uwe nur eines: weg! Dschingis wiederum lebt zusammen mit seiner Mutter. Zu Hause fühlt er sich geborgen und angenommen, doch von den Gleichaltrigen wird er als „Kanake“ beschimpft und verachtet. Oft träumt er davon, mit einem Floß aufs Meer hinaus zu fahren. Fast hat er es schon fertig gebaut, da wird es von Uwe und seinen Freunden zerstört. Zum ersten Mal wehrt sich Dschingis und zwingt Uwe dazu, mit ihm zusammen das Floß zu reparieren. Dabei kommen sich die Jungen näher und bestärken sich gegenseitig darin, die Fahrt aufs Meer zu wagen. Ein gefährliches Unternehmen, denn nicht umsonst wird die Nordsee auch „Mordsee“ genannt ...
Filmverlag der Autoren Edition

Originaltitel: Nordsee ist Mordsee (Deutschland 1976), ca. 82 Minuten

Darsteller: Uwe Enkelmann (Die Heartbreakers)
Dschingis Bowakow (Das Versprechen, Für immer und immer)
Marquard Bohm (Warnung vor einer heiligen Nutte, Satansbraten)
Herma Koehn (Tochter meines Herzens), Stab  Regie: Hark Bohm
Drehbuch: Hark Bohm, Kamera: Wolfgang Treu   Technische Angaben Bild: 1,66:1 (anamorph), Sprachen/Ton: Deutsch ( Mono Dolby Digital)

 

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