„Eine neue Form des Realismus, die, wenn sie nicht so gelungen wäre, kaum zu ertragen ist.“ (epd Filmdienst)
In halb Hamburg herrscht Verwirrung: Achtung, es gebe einen vierten Teil der geilen, staatskritischen und rockverherrlichenden Saga „Rollo Aller!“, wo da diese beiden Typen auf ihrem Weg Richtung Freiheit was erleben und – Moment, vierter Teil, obwohl der dritte Teil nie erschienen ist: Häh, was`s los?
Wir klären auf: 1990 drehten Rocko Schamoni und Reverend Ch. Dabeler ihre erste Hommage an Hark Bohms 70er-Meisterwerk „Nordsee ist Mordsee“: „Rollo Aller!“, benannt nach dem Tick eines alten Schamoni-Kumpels, sich bei jeder spannenden Geschichte ein imaginäres Rollo von der Stirn über die Augen zu ziehen. Das Jahr 1992 sah gar den zweiten Rollo-Teil, der unter Cineasten wie Menschen ebenso gut ankam und in Hamburg weltweiten Erfolg hatte.
Beide Filme spüren Leben und Werk der beiden Hängertypen Eule und Daddel nach, die auf ihrem Weg “Raus aus der Gesellschaft - Rein in den Rock!” keinen Drogen-/Gewalt-/Glücksspiel-Napf unberührt stehenlassen, in den man tappen kann auf dem Weg zum Beispiel nach Hongkong. Dort wollen sie das Grab von Bruce Lee besuchen, kommen aber nur bis Berlin. Siehste, Dummkopf!
Die Regie führte bei beiden Teilen Henrik Peschel, ein ehemaliges Kind seiner Eltern, der sogar 1994 einen dritten (angeblich verstärkt intellektuellen) Teil drehte, ihn aber seitdem in einer Schublade vergammeln lässt, die nur er aufkriegt. Eule und Daddel wollen aber, dass es weitergeht, und haben auch mindestens eine Idee, wie: Sie machen nämlich in Teil 4 einen Beachclub auf!
„Freiheit“ soll er heißen und er in Wilhelmsburg liegen, wo Eules Oma wohnt. Die beiden klauen also eine Barkasse wie ein paar Bänke und hoffen auf die ganz große Kohle. Ihr Beachclub ist eine Festung gegen den Wahnsinn - bis der Überwachungsstaat, also die Bullerei, auch diesen bedroht. Aber mit Witz, Verve und erotischem Feingespür wissen die beiden Helden sich zu Wehr zu setzen. Logisch!
Die Presse lobt: „Sicherlich ein Science Fiction der intelligenteren Machart.“ (Aldi Nord).
Man kann sich nur wünschen, dass es Eule und Daddel wirklich gäbe! Die Revolutionierung der "alten Tante Film" liegt mit „Rollo Aller! 4“ nun endgültig vor - nur mit Herzschrittmacher sollte man da nicht reingehen.
Hamburg wartet. Seit 16 Jahren. Damals, 1992, erschien „Rollo Aller! 2“ und setzte die Geschichte der beiden hanseatischen Underdogs Eule und Daddel fort. Aus Wilhelmsburg, wo sie im ersten Teil der Saga landeten, waren sie auf der Fahrt nach Hongkong zu Bruce Lee sein Grab bis nach Berlin gekommen, wo ein Koffer voll Koks sie kurze Zeit von riesigen Karnickeln und dem nötigen Reisegeld träumen ließ. Dann ging’s zurück zu Freundin und Oma nach Hamburg, doch der Traum vom Aufbruch blieb. Würden Eule und Daddel es jemals raus aus der Gesellschaft und rein in den Rock schaffen? Die Gerüchteküche gärte und ganz Hamburg fragte sich: Wann kommt „Rollo Aller! 3“?
Hier nun die sensationelle Antwort: auf jeden Fall NACH „Rollo Aller! 4“! Der Film basiert auf einer Idee der beiden Hamburger Filmemacher und „Rollo Aller“-Fans Torsten Stegmann und Marcus Tetzlaff, die ihnen, wie Stegmann erzählt, in Wilhelmsburg kam: „Wir fuhren mit dem Rad durch die Gegend und machten bei der Rethe-Hubbrücke Station. Nebendran liegt so ein ödes Gelände mit einer einsamen Bank und einer Holzstatue. Das war echt trostlos, aber es gab einen direkten Zugang zum Wasser. Plötzlich kam mir die Eingebung: Hier machen Eule und Daddel einen Beachclub auf!“ Gesagt, getan: Im Sommer 2007 setzten sich die Hauptdarsteller Rocko Schamoni und Reverend Ch. D. mit Stegmann, Tetzlaff und Thorsten Wagner zusammen und schrieben ein Drehbuch. Im Oktober und November wurde gedreht und schon im Dezember war ein weiteres halbstündiges Meisterwerk über die Schönheit des ewigen Scheiterns fertig.
In acht Tagen für rund 500 Euro gedreht, setzt „Rollo Aller! 4“ die Reihe würdig fort. Der Film strotzt vor großartigen Sprüchen und Insider-Gags, die Barkasse Hedi und die Villa, in der Klaus Lemkes „Paul“ und Hark Bohms „Moritz lieber Moritz“ gedreht wurden, sind mit von der Partie, sogar der Look des auf Video gedrehten Werks wurde durch mehrmaliges überspielen an die Super8- und 16mm-Optik der Vorläufer angepasst. Und das Beste: Rocko Schamoni und Reverend Ch. D. haben wieder einige neue Songs beigesteuert. Das muss man wirklich gesehen haben, wie Eule und Daddel mit einer Darbietung des „Muschikatzenmann“ vier im Regen sitzende Besucher ihres Beachclubs bei Laune halten!
Auch Henrik „Henna“ Peschel, der Regisseur der ersten beiden Teile, ist von „Rollo Aller! 4“ begeistert, wie Torsten Stegmann erzählt: „Wir alle haben fast ein Jahr dicht gehalten und den Film dann letzten Juli im Rahmen eines Henna-Peschel-Abends vorgeführt. Das war eine riesige Überraschung für Henna – er hat die ganze Zeit gelacht.“ Und was ist mit Rollo Aller! 3? Der ist Peschel zufolge abgedreht: „Ich warte nur noch auf jemanden, der mir Geld für die Postproduktion gibt. Der Film handelt vom Aufstieg zweier arbeitsloser Punks zu Superstars der Hamburger Kulturschickeria. Ich will hier nicht zu viel verraten, aber diverse Größen des Hamburger Kulturlebens spielen sich selbst.“ Das Warten geht also weiter, aber es tut jetzt nicht mehr so weh: Stegmann hat schon angekündigt, bis zum Fertigwerden des dritten Teils jedes Jahr eine neue Folge drehen zu wollen.