Wilhelmsburger Freitag

Deutschland 1964, Regie und Drehbuch: Egon Monk , Produktion: ARD/NDR
Genre: Sozialdrama, Darsteller: Ingeborg Hartmann, Renate Ahlers  Edgar Bessen, Jan Ahlers
 

"Wilhelmsburger Freitag" handelt von folgendem: Ein Freitag im Leben eines jungen Arbeiterehepaares aus Hamburg-Wilhelmsburg. Jeder geht an seine Arbeit, der Mann auf seine Baustelle, die Frau in ihren Haushalt. Das Kind, das erwartet wird, bereitet bereits jetzt Sorgen. Anschaffungen sind nötig. Und die Hälfte vom Lohn des Baggerführers wird ohnehin am Freitag jeder Woche von Rückzahlungen aufgebraucht. .

Die Kinobesucher werden Wilhelmsburger Freitag traurig, herzzereißend und bewegend finden. Der bewegende Film im Kino wurde mit Ingeborg Hartmann, Edgar Bessen und Eva-Maria Bauer besetzt. Regie wurde von Egon Monk geführt. Den Ideen von Christian Geissler verdanken wir das Drehbuch. 90 unterhaltsame Kinomin. für Drama-Fans! Produziert wurde dieser bewegende Kinofilm in Deutschland (BRD). Gönnen Sie sich mit "Wilhelmsburger Freitag" einen kurzweiligen Kinotag. Internet-Movie-Database (IMDB)

 

Eine Kamera begleitet zwei Menschen. (...) Mann und Frau sind schweigsame Leute, Gefühle werden nicht gezeigt. Die linke Drehbuch-Seite ist fast leer, auf der rechten sprechen die Bilder: Erwachsene, die mit dem sinnenden Blick urinierender Männer auf die Baustelle glotzen; Frauen im Fahrstuhl - schwebende Puppen mit einem Alltagsgesicht aus Beton. Der Autor Christian Geissler und der Regisseur Egon Monk wollen zeigen und nicht interpretieren; die Deutung kommt dem Zuschauer zu. Die Absicht war löblich, die Stummheit spielte mit, man sah vortreffliche Szenen: Arbeiter, die sich umdrehten, bevor sie ihre Lohntüte aufmachten, ein kleines Kind, das einen Kranz anstarrte. Kurzum, es war alles sehr typisch; aber gerade die Typik, das allzu Normale, machte diesen Film am Ende unglaubhaft und langweilig. (...) Und dennoch, ein interessanter Versuch, ein Experiment, dem auch der gewollt-bedeutsame Schluss, ein Unbehagen an der Welt, ein Heidegger-Rätsel, eine Metaphysik des Kleinbürgerzimmers, nichts von seiner Diskussionswürde nahm. Ein andermal besser - weniger typisch, dafür konkreter.

(MOMOS alias WALTER JENS, Die Zeit, 27.3.1964)

Christian Geissler, Schriftsteller und Buchautor:

Geissler wurde 1928 in Hamburg geboren. Er war  Mitarbeiter von Rundfunk- und Fernsehanstalten. Bis 1959 schrieb er für den NDR. 1960 bis 1964 war er Redaktionsmitglied der „Werkhefte katholischer Laien“. 1965 bis 1968 war er Mitherausgeber der marxistischen Literaturzeitschrift „Kürbiskern“. Geissler suchte für die Entwicklung der Gesellschaft Lösungen in der Kirche sowie in der kommunistischen Partei.

Egon Monk, Regisseur, Dramaturg und Schauspieler:

Monk wurde 1927 in Berlin geboren. Er war zunächst als Schauspieler, Regisseur und Hörspieldramaturg tätig, von 1960 bis 1968 als Leiter der Fernsehspielabteilung des NDR. Beeinflusst von Brechts Theaterarbeit wurde Monk zum Förderer einer Dramaturgie, die gesellschaftlich-historisch analysiert und sich demokratisch-sozialistisch engagiert. Monk beeinflusste wichtige Regisseure wie Rolf Busch, Eberhard Fechner und Klaus Wildenhahn.

 

Anfang der 1960er Jahre entstanden die ersten Fernsehspiele, die sich auch sozialkritischen Themen annahmen. Ein gutes Beispiel dafür ist der vom NDR produzierte Fernsehfilm „Wilhelmsburger Freitag“ des Regisseurs Egon Monk, nach einer Vorlage von Christian Geissler. Egon Monk realisierte von 1960 bis 1968 als Leiter der Fernsehspielabteilung des NDR mehrere Filme dieser Art. Im Mittelpunkt dieses zeitkritischen Dramas steht das Arbeiterehepaar Jan (Edgar Bessen) und Renate Ehlers (Ingeborg Hartmann), die zwischen Geldsorgen und der Vorfreude auf ein Kind stehen.

Die Versuche, nicht nur reine Lustspiele oder Kriminalstücke für das Fernsehen zu adaptieren, sondern auch sogenannte "schwere Kost", fiel dem Fernsehen am Anfang nicht leicht: Walter Jens rezensierte für die Wochenzeitung "Die Zeit" am 27. März 1964 das Fernsehspiel und kam zu dabei zu folgendem Ergebnis: " die Typik, das allzu Normale, macht diesen Film am Ende unglaubhaft und langweilig. Und dennoch, ein interessanter Versuch, ein Experiment, dem auch der gewollt-bedeutsame Schluss, ein Unbehagen an der Welt, ein Heidegger-Rätsel, eine Metaphysik des Kleinbürgerzimmers, nichts von seiner Diskussionswürde nahm. Ein andermal besser - weniger typisch, dafür konkreter."

Auf den Fotos zu sehen sind die Filmaufnahmen, die in einem Straßenbahnwagen am Original-Schauplatz Wilhelmsburg am 06. Dezember 1963 gedreht wurden. Der Film wurde erstmals am 19. März 1964 in der ARD ausgestrahlt.

Egon Monk

Regisseur

Werkverzeichnis

Film:
Die Gewehre der Frau Carrar, Fernsehfilm, 1953
Das Geld, das auf der Straße liegt, Fernsehfilm, 1958
Die Brüder, Fernsehfilm, 1958
Leben des Galilei, Fernsehfilm, 1962
Anfrage, Fernsehfilm, 1962
Wassa Schelesnowa, Fernsehfilm, 1963
Schlachtvieh, Fernsehfilm, 1963
Mauern, Fernsehfilm, 1963
Wilhelmsburger Freitag, 1964
Ein Tag - Bericht aus einem deutschen Konzentrationslager 1939, Fernsehfilm, Buch: Monk, 1965
Berlin N 65, Episode aus: Der Augenblick des Friedens, Fernsehfilm, 1965
Preis der Freiheit, Fernsehfilm, 1966
Über den Gehorsam, Fernsehfilm, 1968
Goldene Städte, Fernsehfilm, 1969
Die Räuber, Aufzeichnung einer Aufführung des Schauspielhauses Hamburg, 1969
Industrielandschaft mit Einzelhändlern, Fernsehfilm, 1970
Bauern, Bonzen und Bomben, Fernsehfilm nach Hans Fallada, 1973
Die Gewehre der Frau Carrar, Fernsehfilm, 1975
Die Geschwister Oppermann, nach Lion Feuchtwanger, Fernsehserie, 1983
Die Bertinis, nach R. Giordano, 1988


Theater und Oper:
Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny (Brecht)
Figaro läßt sich scheiden (Klebe)
Der goldene Bock (Krenek)
Boris Godunow (Puschkin)
Das Lächeln am Fuße der Leiter (A. Bibalo)
Das Gesicht (S. Lenz)
Arden muß sterben (A. Goehr)

 

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