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Programm Sommerkino 2007Donnerstag, 16.08.2007
Megacities
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Dokumentarfilm, A/CH 1998; Kino-Dokumentarfilm von Michael Glawogger; OmU; 90 min
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Bei zwölf Geschichten aus vier Städten ergeben sich drei Geschichten pro Stadt. Diese werden, in auf den ersten Blick scheinbar willkürlich angeordneter Weise, episodenhaft erzählt. Die ersten beiden Episoden spielen in den Slums von Mumbai (früher Bombay) und beleuchten verschiedene Möglichkeiten des Geldverdienens: Kinder, die als Straßenmusikanten auftreten oder der Bioskop-Mann, der zusammengenähte Filmstreifen in einem altertümlichen Filmvorführgerät zur Schau anbietet. Die Geschichte der darauf folgenden kurzen Einspielung aus New York beginnt eigentlich noch in Mumbai. Bevor man im Big Apple einen Straßenverkäufer dabei beobachtet, wie er bunt gestreifte Hemden für wenig Geld zum Verkauf anbietet, verfolgen wir die Produktion dieser Hemden in einer kleinen Fabrik in Mumbai. Hier wird klar, wie eng die Städte in Zeiten der Globalisierung über wirtschaftliche Wege verwachsen sind. Ähnlich abrupt wie der Schwenk nach New York geführt hat, führt der Weg dann nach Mexico-City. In einem Flug über das Häusermeer nähert man sich der Stadt an. Dort angekommen, begleitet man schließlich einen Verkäufer von Süßwaren, zu denen es als Beigabe ein kleines lebendes Hühnerküken gibt, die ihm von Kindern abgekauft und zum Spielen mit nach Hause genommen werden. Dem großen Thema Arbeit folgen auch die weiteren Erzählabschnitte. In Mexiko begleiten wir Menschen, die Müll sammeln und diesen wiederverwerten sowie verschiedene Prostituierte bei ihrem Arbeitsalltag. Auch gewöhnliche Fließband- und Fabrikarbeit zählt zu den portraitierten Berufen. Straßendiebe, Kleinverbrecher und Schnorrer vervollständigen das Bild in den Städten Mexico-City, Moskau und New York. Kurz vor Schluss beleuchtet Glawogger noch die sozialen Bedingungen im Milieu der Moskauer Alkoholabhängigen und deren Frauen. In einer nachgestellten New Yorker Radiosendung kommen am Ende noch eine Vielzahl von Randfiguren der Gesellschaft zu Wort und berichten von ihrer persönlichen Einstellung zum Thema "Überleben in der Stadt". In jeder der zwölf Geschichten tauchen am Rand der Haupterzählstränge kleine dokumentarische Details auf, die ein Gesamtbild entstehen lassen. Der Film endet kreisförmig in der Stadt, in der er begonnen hat: Mumbai. |
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Freitag, 17.08.2007
Faat Kiné
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Spielfilm, Senegal 2001; R: O. Sembene; D: Venus Seye, Mame Ndoumbé Diop; OmU; 119 min
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Faat Kiné ist die erfolgreiche Geschäftsführerin einer Tankstelle. Am Tag des Abiturs ihrer Kinder blickt sie zurück auf ihre traumatische Vergangenheit. Von ihrem Vater enterbt und von den Erzeugern ihrer beiden Kinder Djib und Aby im Stich gelassen, konnte Faat Kiné nicht ihren Traumberuf ergreifen und Anwältin werden. Jetzt führt die erfolgreiche Geschäftsfrau selbstbewusst ein unabhängiges Leben als allein erziehende Mutter in Dakar. Die Familienkonflikte brechen noch einmal auf, als die Väter von Djib und Aby deren Abiturfeier stören und sich als fürsorgliche Elternteile aufspielen. Am Ende weist Djib seinen Vater mit den Worten, er sei eine Schande für das junge Afrika, hinaus. Faat Kiné ist eine ebenso mutige wie humorvolle Geschichte über Frauenemanzipation im Senegal. Es ist zugleich der zweite Film einer Trilogie unter dem Titel "Heroisme au quotidien" (Heldentum im Alltag), den der senegalesische Regisseur Ousmane Sembčne (Jg. 1923) den Frauen gewidmet hat. Der Film übt herbe Kritik an der patriarchalischen Gesellschaft, die Frauen als Menschen zweiter Klasse behandelt und es immer noch als selbstverständlich erachtet, dass Männer das Sagen in der Familie und mehrere Ehefrauen gleichzeitig haben. Am Rande geht es auch um das leichtsinnige und rücksichtslose Sexualverhalten vieler afrikanischer Männer, die trotz ihrer polygamen Lebensweise und der in Afrika weit verbreiteten Immunschwächekrankheit Aids ihren Frauen Sex ohne Kondome zumuten. Das alles vermittelt der Film dank starker Heldinnen, die den Machos haushoch überlegen sind und sich in der Not zu helfen wissen, mit Humor und ohne verbitterten Unterton. Mit ihnen entwirft der Regisseur zugleich Vorbilder für eine moderne Frauengeneration, von der er hofft, dass sie Afrika voranbringen werde. |
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Sonnabend, 18.08.2007
Das Leben der Anderen
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Zeitgeschichte, Deutschland 2006; R: Florian Henckel von Donnersmarck; D: Martina Gedeck, Ulrich Mühe, Ulrich Tukur; 137 min
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Im Ostberlin des Jahres 1984 wird der Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler (HGW XX/7) damit beauftragt, den bekannten und regimetreuen DDR-Theaterschriftsteller Georg Dreyman zu bespitzeln. Er hält den Künstler selbst für beobachtenswert, ahnt aber nicht, dass Kulturminister Bruno Hempf dieses Vorhaben mit dem Motiv unterstützt, Dreyman auszuschalten, um dessen Freundin Christa-Maria Sieland für sich allein zu gewinnen. Sie hatte sich mit Hempf eingelassen, weil sie dies für ihre Schauspielerkarriere zu brauchen glaubte. Wieslers Vorgesetzter, Oberstleutnant Anton Grubitz, versucht jedoch, ihm den Karriereschub bei erfolgreicher Observation schmackhaft zu machen und seinen ausgeprägten Spürsinn anzureizen.
Wiesler, selbst alleinstehend, ohne nennenswertes Privatleben und in einer karg eingerichteten Neubauwohnung lebend, hat durch die Bespitzelung Einblick in die Welt der Kunst und des offenen Geistes sowie in zwischenmenschliche Beziehungen, wie er sie selbst nicht pflegt.
Unter dem Eindruck dieses Lebens der Anderen weicht Wiesler mehr und mehr von seiner Aufgabe, vom Dachboden der verwanzten Wohnung Dreymans aus Belastendes über den Schriftsteller zu finden, ab. Er schreibt in seinen Berichten Belangloses. Auf einer von einem Journalisten des bundesdeutschen Magazins "Der Spiegel" ins Land geschmuggelten Schreibmaschine schreibt Dreyman einen Bericht über die außergewöhnlich hohe Selbstmordrate in der DDR und veröffentlicht ihn anonym im "Spiegel". Wiesler greift nicht ein. Im Gegenteil, er schützt Dreyman indirekt, indem er versucht, die Intrige weitestmöglich zu vertuschen. Noch vor der durch Wieslers Vorgesetzten Anton Grubitz selbst durchgeführten Hausdurchsuchung eilt Wiesler zu Dreymans Wohnung und entfernt die Schreibmaschine heimlich. Als der Stasi-Oberstleutnant dann zielgerichtet auf Dreymans Versteck zusteuert, kann die auch anwesende Christa-Maria Sieland, die nicht weiß, dass das Versteck leer ist, die Scham des Verrats nicht mehr ertragen. Sie stürmt aus dem Haus, läuft vor einen zufällig vorbeifahrenden LKW und wird tödlich verletzt. Ohne dass sein Vorgesetzter es ihm nachweisen kann, ist diesem nun klar, dass Wiesler Dreyman geschützt hat, und er versetzt Wiesler innerhalb der Stasi auf eine trostlose Position zur Briefüberwachung.
6 Jahre später, nach der Wiedervereinigung: Dreyman fragt nach, warum er nie überwacht worden sei, woraufhin Hempf erwidert, dass Dreyman lückenlos überwacht gewesen sei.
Dreyman liest verblüfft seine Stasi-Akten; es ergibt sich, dass ihn der Stasi-Mitarbeiter "HGW XX/7" gedeckt hat. Er macht diesen ausfindig. Wiesler verteilt mit einem Handwagen nun Werbeprospekte in Briefkästen. Dreyman nimmt aber keinen Kontakt mit ihm auf.
Zwei Jahre später sieht Wiesler zufällig im Schaufenster einer Buchhandlung die Werbeankündigung des von Dreyman verfassten Romans "Die Sonate vom Guten Menschen", Dreymans Portrait ist großformatig sichtbar. Das Buch ist Wiesler unter dessen Stasi-Deckcode-Namen gewidmet: "HGW XX/7 in Dankbarkeit". Wiesler kauft das Buch. Die Frage des Verkäufers, ob das Buch als Geschenk verpackt werden soll, beantwortet er mit: "Nein. Das ist für mich." |
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Sonntag, 19.08.2007
One Day in Europe
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Spielfilm, D/Spanien 2005; R: Hannes Stöhr; D: M. Gay, L. Tsvetkova, F. Lukas, E. Yildiz, P. Scherer, M. de Lira, R. Brakni, B. Arquiera; 93 min.
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Eine englische Geschäftsfrau und eine russische Rentnerin in Moskau, ein Berliner Rucksacktourist und ein schwäbischer Taxifahrer in Istanbul, ein ungarischer Pilger und ein galizischer Polizist in Santiago de Compostela, ein französisches Straßenkünstlerpärchen in Berlin: Sie alle werden in Gepäckdiebstähle verwickelt. Es ist der Tag des Champions-League-Finales zwischen Galatasaray Istanbul und Deportivo La Coruña in Moskau. Überall herrscht Fußballfieber, den Euro gibt es auch schon. Nur mit der Verständigung ist es manchmal ganz schön schwierig ...
Regisseur Hannes Stöhr (Berlin is in Germany; Panorama-Publikumspreis der Berlinale 2001) erzählt warmherzig, neugierig und mit erfrischender Leichtigkeit von Menschen in Europa, von Begegnungen und Missverständnissen, vom Reisen, Ankommen und Aufbrechen und von der Möglichkeit, sich nahe zu kommen.
Wie die Filmgeschichten ist auch die Entstehung von One Day in Europe gesamteuropäisch. Die Hauptrollen werden gespielt von Megan Gay und Luidmila Tsvetkova (Moskau), Florian Lukas und Erdal Yildiz (Istanbul), Péter Scherer und Miguel de Lira (Santiago de Compostela), Rachida Brakni und Boris Arquier (Berlin). |
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Montag, 20.08.2007
Code 46
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Spielfilm, GB 2004; R: Michael Winterbottom; D: Tim Robbins, Samantha Morton; 93 min
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In naher Zukunft: Reisen in Großstädte sind nur noch mit bestimmten Visa möglich, viele Menschen ohne Papiere leben in Wüsten um die Metropolen. Klonen ist legal, aber jedes Paar, das Kinder bekommen möchte, muss sich zuvor auf genetische Übereinstimmungen in seinen Genen testen lassen, damit nur gesunde Kinder geboren werden. Wenn die genetische Übereinstimmung bekannt ist, das Paar aber trotzdem eine Schwangerschaft riskiert, ist Code 46 verletzt worden, ein Vergehen, das die Höchststrafe nach sich zieht.
William Geld (Tim Robbins) ist ein glücklich verheirateter Familienvater, der für eine Versicherungsfirma arbeitet. Sein aktueller Auftrag führt ihn nach Shanghai, wo er einem Visumsfälscher in einer großen Firma auf die Spur kommen soll. William erkennt dank eines Empathie-Virus, das ihn die Gedanken anderer lesen lässt, schnell die Täterin: Maria Gonzales (Samantha Morton). Doch er verliebt sich in sie, nachdem er ihre Beweggründe für die Fälschungen erkennt. Beide verbringen eine Nacht miteinander, bevor William wieder in die Staaten ausreist. Kaum hat der Versicherungsagent seine Koffer ausgepackt, erfährt er, dass die Firma in Shanghai nach einem Todesfall mit den gefälschten Papieren vollständige Aufklärung des Falles verlangt. Kurz entschlossen fliegt er zurück, um Maria zu warnen. In der Stadt angekommen, findet er heraus, dass Maria wegen einer Verletzung des Code 46 in einem Krankenhaus festsitzt. |
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Dienstag, 21.08.2007
Taxi - eine Nacht in Buenos Aires
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Spielfilm, Argentinien 2001; R: Gabriela David; D: D. Peretti, M. Guerberof, J. Viton, P. Ducasse; OmU; 93 min
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Esteban ist ein kleiner Gauner in Buenos Aires. Er hat sich auf Taxidiebstähle spezialisiert. Bevor er sie zu seinem Hehler bringt, spielt er gern für ein paar Stunden den Taxifahrer. Das bringt ihm ein paar Pesos ein und hilft ihm über die Einsamkeit hinweg. Doch in dieser einen Nacht kommt alles anders. Eine junge Frau, Laura, bricht in seinem gestohlenen Taxi mit einer schweren Schußwunde zusammen. Esteban ist hin- und hergerissen zwischen dem Impuls zu helfen und Angst vor Scherereien mit der Polizei. So bringt er die Schwerverletzte nicht ins Krankenhaus, sondern in seine Wohnung, wo er gemeinsam mit seinem Vater die Kugel entfernt und ihr so das Leben rettet. Als ihr Zustand sich nicht zu bessern scheint, gerät Esteban in Panik. Er setzt sie an einer einsamen Straßenecke ab und ruft den Notarzt.
Gegen seinen Willen kann Esteban die rätselhafte Frau nicht vergessen. Er beginnt, nach ihr zu suchen. Ein Zeitungsartikel bringt ihn schließlich auf ihre Spur. Und auch Laura selbst macht sich nach ihrer Genesung auf die Suche nach dem Unbekannten, der ihr das Leben gerettet hat. Der einzige Hinweis, den sie hat, ist die Erinnerung an den Blick aus der Wohnung des Taxifahrers ...
Zwei Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen, die sich in der Einsamkeit der Großstadt durch Zufall finden, verlieren, wiederfinden. Eine scheinbar kleine, intime Geschichte, deren Vielschichtigkeit erst nach und nach sichtbar wird. Auch aufgrund der ungewöhnlichen Erzählstruktur voller Überraschungen und der atmosphärisch dichten Bilder gehört dieser Debütfilm von Regisseurin Gabriela David zu den schönsten Neuentdeckungen aus Lateinamerika.
Ein lakonisch erzählter Film über Kommunikationslosigkeit, die Anonymität der Großstadt und ein Leben am Rande des (wirtschaftlichen) Abgrunds, der ein Schlaglicht auf die Situation des modernen Argentinien wirft. Zugleich spiegelt er die Bemühungen einer Generation, Trauerarbeit zu leisten und die Vergangenheit aufzuarbeiten. |
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Mittwoch, 22.08.2007
Beijing Bicycle
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Spielfilm, Drama, China/Frankreich 2000; Regie: Wang Xiaoshuai; Darsteller: Cui Lin, Li Bin, Zhou Xun; 110 min
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Beijing heute. Mit großen Erwartungen hat Guei seinem Heimatdorf den Rücken gekehrt und ist in die Stadt gekommen. Nach einiger Zeit findet er tatsächlich eine Arbeit: als Fahrradkurier. Er bekommt für jede Tour 10 Yuan, egal wie weit sie ist. Das nagelneue silberne Mountainbike, das er gestellt bekommt, gehört erst ihm, wenn er irgendwann 600 Yuan zusammen hat. Also konzentriert er sich auf seine Arbeit, auch von gelegentlichen Beschwerden missgelaunter Kunden lässt er sich nicht aufhalten. Er nimmt sie einfach hin, seine Arbeit ist schließlich auch so schon hart genug.
Gerade als er die 600 Yuan fast abbezahlt hat, ist eines Tages sein Fahrrad verschwunden – geklaut am hellichten Tag! Guei wird entlassen und sucht zu Fuß halb Peking nach dem Rad ab. Als er schon fast aufgeben will, entdeckt er durch puren Zufall einen jungen Mann, der mit “seinem” Fahrrad durch die Straßen fährt. Guei hält ihn an und erfährt von dem neuen Besitzer, dass der es auf einem Flohmarkt gekauft hat. Guei braucht sein Fahrrad dringend zurück, hängt doch seine Existenz davon ab. Die beiden Männer werden es sich also irgendwie teilen müssen. |
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Donnerstag, 23.08.2007
Paris, je t'aime
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Episodenfilm, Kurzfilmprojekt, Frankreich/Deutschland/Liechtenstein/Schweiz 2006; 120 min
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 «Paris, je t’aime» Eine Liebeserklärung an die Seine-Metropole.
Die Aufgabe an Regisseure aus aller Welt: dreht einen fünfminütigen Kurzfilm zum Thema Paris und die Liebe; zeigt die Geschichte einer amourösen Begegnung in einem Pariser Quartier.
Die Filmemacher sind dem Aufruf gerne gefolgt und haben eine Art Streifzug durch die vielen Stadtviertel mit ihren unterschiedlichen Gesichtern unternommen. Wes Craven, Ethan & Joel Coen, Tom Tykwer, Gus Van Sant und viele andere besuchten die Seine-Metropole und fingen mit Stars wie Marianne Faithfull, Juliette Binoche, Willem Dafoe und Nick Nolte das Thema ein.
Entstanden ist ein abwechslungsreicher Episodenfilm, der mit der unterschiedlichen Sicht der einzelnen Filmemacher Paris - und natürlich die Liebe - in vielen Facetten beleuchtet.
Das gelingt am ehesten den Coen-Brüdern, deren schön ironische Episode in der Metro-Station unter dem Tuilerienpark spielt, wo ein harmloser Stadtbesucher (Steve Buscemi) sehr unmittelbar mit dem unberechenbaren Temperament mancher Pariser konfrontiert wird. Horrorspezialist Wes Craven führt die Zuschauer auf den legendären Friedhof Père Lachaise, wo der offenbar untote Oscar Wilde ein junges Eheglück rettet; im Schwulenviertel Marais darf, nun ja, Gus van Sant eine kleine schwule Liebesgeschichte anstiften.
Es wird geflirtet, geküsst, gestritten und viel gerannt in den rund fünfminütigen Kurzgeschichten, letzteres natürlich auch bei Tom Tykwer, der dank Zeitraffer eine komplette Liebesgeschichte abspult, wo andere nur einen zärtlichen Anfang oder ein klägliches Ende skizzieren. Paris jedenfalls schafft es, dass sich sogar eine Vampirin verliebt und zu beißen vergisst.
Zwischen Montmartre und Montparnasse, Pigalle und Quartier Latin, Eiffelturm und Bastille treten in kleinen Rollen Stars wie Elijah Wood, Fanny Ardant, Bob Hoskins, Juliette Binoche oder Nick Nolte auf. Ihnen allen aber stiehlt in der Episode von Alexander Payne eine unauffällige Amerikanerin die Show, die allein durch die Stadt geht und plötzlich spürt, dass diese Stadt sie liebt, wie es nur Paris kann.
Regie: Olivier Assayas, Frédéric Auburtin, Emmanuel Benbihy, Gurinder Chadha, Sylvain Chomet, Ethan Coen, Joel Coen, Isabel Coixet, Wes Craven, Alfonso Cuarón, Gérard Depardieu, Christopher Doyle, Richard LaGravenese, Vincenzo Natali, Alexander Payne, Bruno Podalydès, Walter Sa
Besetzung: Bruno Podalydès, Leïla Bekhti, Cyril Descours, Marianne Faithfull, Elias McConnell, Gaspard Ulliel, Julie Bataille, Steve Buscemi, Axel Kiener, Frankie Pain, Catalina Sandino Moreno, Barbet Schroeder, Li Xin, Sergio Castellitto, Emilie Ohana, Miranda Richardson, Leonor Watling, Juliette Binoche, Martin Combes, Willem Dafoe, Hippolyte Girardot, Yolande Moreau, Paul Putner, Sara Martins, Nick Nolte, Ludivine Sagnier, Lionel Dray, Maggie Gyllenhaal, Joana Preiss, Seydou Boro, Aïssa Maïga, Fanny Ardant, Bob Hoskins, Wes Craven, Olga Kurylenko, Elijah Wood, Emily Mortimer, Alexander Payne, Rufus Sewell, Melchior Beslon, Natalie Portman, Gérard Depardieu, Ben Gazzara, Gena Rowlands, Margo Martindale, Florence Muller |
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Freitag, 24.08.2007
Night on Earth
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Episodenspielfilm, USA 1991; R: Jim Jarmusch; M: Tom Waits; D: Winona Rider, Gena Rowlands, Armin Mueller-Stahl, Roberto Benigni, Isaach de Bankolé, Rosie Perez, Beatrice Dalle; 126 min; OmU
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Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, was seine Freunde oder überhaupt andere Menschen just in dieser Minute so treiben? "Night on Earth" entführt auf eine Reise, die am späten Abend in Los Angeles beginnt, über New York, Paris, Rom und schließlich Helsinki den Verlauf einer Nacht in kurzen Ausschnitten beschreibt, die alle um 4:07 mitteleuropäischer Zeit beginnen: Eine junge kettenrauchende Fahrerin chauffiert eine Besetzungsagentin vom Flughafen hinauf nach Beverly Hills; in New York erteilt ein temperamentvoller Schwarzer dem aus Dresden eingewanderten Taxifahrer Helmut Nachhilfeunterricht in Sachen Fahrtechnik und Stadtkunde; im nächtlichen Paris irritiert eine blinde Frau ihren Chauffeur durch ihr ausgeprägtes Selbstbewusstsein; einem herzkranken Priester wird die Beichte eines römischen Taxifahrers ( Roberto Benigni ) zum Verhängnis, da jener zu nächtlicher Stunde seine frivole Lebensbeichte ablegen möchte. Schliesslich trollen sich in der Morgendämmerung von Helsinki drei Betrunkene ins Taxi, die ihren vom Schicksal arg gebeutelten Freund nicht allein trinken lassen wollten. So sehr sich der Film um die weltumspannende Idee der Gleichzeitigkeit rankt, so rigoros übt sich Jim Jarmusch in Reduktion und Minimalismus: Die eigentlichen Orte der Handlung sind nicht L.A., Paris oder Rom, sondern Taxis, wenige Quadratmeter groß, in denen die unterschiedlichsten Figuren zusammentreffen, (ihre) Geschichten erzählen und anschließend wohl für immer auseinandergehen. Flüchtige Momentaufnahmen, die ihre Gemeinsamkeit im durchgängig lakonischem Grundton fernab jeden Hollywood-Glamours finden.
Aus Gründen der Authentizität wurde Night on Earth nicht synchronisiert, sondern mehrsprachig in der Originalfassung belassen und nur um Untertitel ergänzt (OmU). |
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Sonnabend, 25.08.2007
Babel
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Spielfilm, USA/ Mexiko 2006; R: Alejandro González Iñárritu; Darsteller: Robert Esquivel als Luis, Rinko Kikuchi als Chieko, Boubker Ait El Caid als Yussef, Adriana Barraza als Amelia, Nathan Gamble als Mike, Koji Yakusho als Yasujiro, Elle Fanning als Debbie, Said Tarchani als Ahmed, Brad Pitt als Richard, Cate Blanchett als Susan, Gael García Bernal als Santiago, 144 min; OmU
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 Der Titel ist Programm: In Babel geht es Regisseur Alejandro González Iñárritu um nichts weniger als die Sprach- und Verständnislosigkeit der Menschen untereinander. Es ist ein weiterer Beweis für seine außergewöhnliche Begabung, dass er trotz dieses theorielastigen Ansatzes alles andere als einen blutleeren Film gedreht hat.
Das Vorhaben ist mindestens vermessen, möglicherweise sogar größenwahnsinnig: Einen Film auf drei verschiedenen Kontinenten spielen lassen, in fünf Sprachen, und die verschiedenen Handlungsstränge dennoch in einen Zusammenhang bringen zu wollen, in eine Art weltumspannendes Kaleidoskop, in dem sich, je nachdem, wie man es bewegt, neue Bilder formen.
Alejandro González Iñárritu hat einige Erfahrung mit parallel verlaufenden Plots. In Amores Perros (2000) und in 21 Gramm (21 Grams, 2003) wickelten sich die einzelnen Geschichten um einen Autounfall. In beiden wurde jedoch die Einheit des Ortes gewahrt, waren die Protagonisten an dieselbe Stadt gebunden, was die Dramaturgie erleichterte - wenn Menschen nah beieinander wohnen, auch ohne sich zu kennen, sind Überschneidungen und gegenseitige Beeinflussungen nicht unwahrscheinlich.
In Babel geht Iñárritu einen großen Schritt weiter. Hier hat ein Schuss, der in Marokko abgefeuert wird, Auswirkungen auf mehrere Menschen in Mexiko; und die Reise eines japanischen Geschäftsmannes löst all das erst aus. Der Film beginnt mit Bildern von fast dokumentarischer Qualität in der Wüste, wo ein Hirte ein Gewehr kauft, damit seine beiden halbwüchsigen Söhne die Ziegenherde besser vor Kojoten schützen können. Die beiden spielen mit der Waffe herum und schießen auf einen Touristenbus. Die Amerikanerin Susan (Cate Blanchett) wird getroffen und schwer verletzt. Ihr Mann Richard (Brad Pitt) kämpft mitten in der Einöde um ihr Überleben. Die ganze Gruppe wird nach dem Vorfall in ein kleines Dorf umgeleitet, wo ein Tierarzt notdürftig die Wunde näht. Ohne Betäubung, versteht sich. Zu Hause in den USA wartet das mexikanische Kindermädchen (Adriana Barraza) vergeblich auf die Rückkehr des Ehepaars. Weil sie zur Hochzeit ihres Sohnes nach Mexiko will, nimmt sie die beiden Kinder kurzerhand mit. In Japan schließlich kämpft die taubstumme, nach dem Selbstmord ihrer Mutter verstörte Chieko (Rinko Kikuchi) mit sexuellen Provokationen um Aufmerksamkeit.
In jedem dieser drei Handlungsstränge werden zwei verschiedene Sprachen gesprochen: Englisch und Arabisch in Marokko, Englisch und Spanisch in Mexiko und Japanisch und Taubstummensprache in Japan. Die Ereignisse sind außerdem ineinander verschachtelt und finden keineswegs so gleichzeitig statt, wie es die Struktur des Films auf den ersten Blick glauben machen will. Das Aufbrechen der Zeitebene ist jedoch auf einfache und einleuchtende Weise organisiert, man kann sich die Reihenfolge recht bald zusammenreimen, so dass das Schließen des Kreises am Ende keineswegs zur überraschenden Offenbarung wird.
Auszeichnungen:
- Filmfestspielen von Cannes: Preis für die beste Regie und Preis der Ökumenischen Jury
- Golden Globe Awards 2007: bestes Filmdrama
- BAFTA-Awards 2007: Filmkomponist Gustavo Santaolalla konnte den wichtigsten britischen Filmpreis erringen
- Oscar 2007: Preis für die Beste Filmmusik |
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Sonntag, 26.08.2007
Kurz und schmerzlos
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Spielfilm/Drama, D 1998; R: Fatih Akin; D: Mehmet Kurtulus, Aleksandar Jovanovic, Adam Bousdoukos, Regula Grauwiller, Idil Üner; 95 min
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Gabriel (Türke), Bobby (Serbe) und Costa (Grieche) waren drei unzertrennliche Freunde, eine eingeschworene Gang. Sie waren wie Könige in ihrem Viertel. Noch immer ziehen sie nachts durch Altona, leihen sich zum 100. Mal SCARFACE aus der Videothek aus, verteidigt Gabriel seine Schwester Ceyda gegenüber dem strengen Vater, weil sie mit Costa befreundet ist. Doch seit Gabriel aus dem Gefängnis entlassen wurde, schwört er den kriminellen Touren seiner Freunde ab. Er jobbt erstmals als Taxifahrer, während sich Costa weiterhin mit dem Klauen von Autoradios über Wasser hält und Bobby Kontakte zur albanischen Mafia knüpft. Zu allem Überfluss verlieben sich Gabriel und Bobbys deutsche Freundin Alice heimlich ineinander, schuldbewusst und doch voller Leidenschaft. Als Bobby auch noch Ärger mit der Mafia bekommt und getötet wird, schwört Costa den toten Freund zu rächen. Gabriel muss sich zwischen Liebe und Freundschaft entscheiden. Am Ende setzt Gabriel alles auf eine Karte - auch sein eigenes Leben. |
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| „Kino am Kanal“: Veranstalter: Insel-Lichtspiele e.V. / Ort: Biergarten - Zum Anleger, Vogelhüttendeich 123, 21107 Hamburg-Wilhelmsburg, Filmbeginn: gegen 21:30 Uhr, Eintritt: 3 €, Teilweise überdachte Plätze vorhanden, Getränke und Imbiss im Biergarten „Zum Anleger“ |
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