Orte:
Open Air im Werkhof Industriestraße 117, (Indoor bei Schlecht Wetter, Industriestraße 117)
sowie im Sweet Home Café, Fährstrasse 56, Hamburg-Wilhelmsburg
Veranstalter: Insel-Lichtspiele e.V.
Für alle Veranstaltungen ist der Eintritt frei,Spenden sind natürlich erwünscht!
Film- und Veranstaltungsreihe 2010 in Wilhelmsburg
"Wem gehört die Stadt?"
Unter diesem Motto zeigt das mobile Kino regionales und internationales Filmwerk, sowohl als Freiluft- wie auch als Indoorkino.
An sieben Tagen im Mai 2010 sollen mehrere Dokumentationen und Spielfilme die Themen „Gentrification“, „Umstrukturierung“ und „Stadtentwicklung“ beleuchten. Beispielhaft werden auch Entwicklungen in anderen Metropolen wie z.B. New York aufgezeigt.
Neben den Filmen werden Diskussionen sowie Stadtteilrundgänge und Fotoausstellungen (siehe Veranstaltungen) unterschiedliche Perspektiven und Alternativen aufzeigen. Der Veranstaltungsort befindet sich mitten in Planungsgebiet der Internationalen Bauaustellung (IBA) sowie der Internationalen Gartenschau (igs 2013), die ihre dunklen Schatten schon jetzt vorauswerfen.
Die Film-/Veranstaltungsreihe nimmt sich der Stadtentwicklung und politisch motivierten Veränderungen in Großstädten an und versucht, hinter die Kulissen zu schauen. Sie spannt einen weiten Bogen von Spielfilmen bis hin zu Dokumentarfilmen: Sie zeigt einen schlitzohrigen kolumbianischen Kampf von Mietern um Erhalt ihres Wohnhauses, wirft Blicke in Aufwertungsprozesse in den USA und spießt mit messerscharfer Satire gewollte Modernität auf.
Im Hamburger Focus stehen dabei dokumentarische Zeugnisse von Planungsdruck auf St. Pauli oder Wilhelmsburg, Impressionen aus der Diskussion um das „Recht auf Stadt“, aber auch der Prozess für den Park am Pinnasberg (Park Fiction) als Beispiel für eine andere Planungskultur.
Die Begriffe Stadtplanung, Stadtentwicklung, Stadtumstrukturierung sind in aller Munde und werden doch sehr unterschiedlich ausgelegt. Sie stehen für (Um-)Gestaltung und Entwicklung der Stadt und bedeuten Veränderung für deren Nutzer.
Gerade auf die Elbinsel Wilhelmsburg kommt eine Welle grundlegender Veränderungen zu, soll doch das gesamtstädtische Leitbild „Hamburg – Wachsende Stadt“ hier durch den „Sprung über die Elbe“ konkretisiert und in einem Festival-Duett von „Internationaler Bauausstellung“ und „Internationaler Gartenschau“, per straffem Projektmanagement umgesetzt werden.
Diese Entwicklungswelle wird wiederum viele Menschen von der Insel spülen. Andere werden dafür nachkommen und die Plätze der ehemaligen BewohnerInnen übernehmen.
Die vormals „ungeordnete“ (Kultur-)Landschaft mutiert zu Erlebnisparks, der städtische Raum soll mit „Leuchtturmprojekten“ aufgewertet und neu strukturiert werden.
„Beteiligt“ werden die Bürger mit unbedeutenden – gelenkten – Gremien. Unterhalten wer-den sie mit kostspieligen Kunst- und Kulturveranstaltungen, die allerdings größtenteils an ihren Bedürfnissen vorbei gehen und eher auswärtigem Publikum den Weg nach Wilhelmsburg weisen sollen.
Was passiert da eigentlich? Wer ist daran beteiligt, wer befördert es, wer profitiert davon, wer will es verhindern?
Die geplante Film-/Veranstaltungsreihe will sich der Stadtentwicklung und politisch-motivierten Veränderungen in Großstädten annehmen und versuchen hinter die Kulissen zu schauen.
Die Filme zeigen die starken räumlichen, sozio-ökonomischen und gesellschaftlichen Veränderungen, die zurzeit in Großstädten wie Hamburg zu sehen und zu spüren sind: Die Mieten werden in innenstadtnahen Bezirken unbezahlbar. Bestimmte Bevölkerungs-gruppen werden in die Randbezirke der Stadt verdrängt und können sich wenig am sozialen Leben beteiligen. Neue Quartiere, wie die Hafencity, werden nur noch von wohlhaben-den Menschen bewohnt. Andere Stadtteile, wie St. Pauli und Schanzenviertel, werden zu glitzernden Amüsiermeilen und hippen Vierteln umgekrempelt. Die Schere zwischen „Arm und Reich“ ist unerträglich groß geworden. Privatisierung ehemals öffentlicher Flächen und Überwachung des öffentlichen Raumes führen zur Ausgrenzung „sozialer Randgruppen“. Die Stadt als Wirtschaftsunternehmen in ständiger Konkurrenz zu anderen Metropolen.
Unsere Kooperationspartner sind: Arbeitskreis Umstrukturierung Wilhelmsburg (AKU), Sweet Home Café, GWA –St. Pauli, Park Fiction, Freizeithaus Kirchdorf-Süd und der SÜDBALKON die förderkoje für kunst und kultur natürlich...
Ergänzende Veranstaltungen
12. bis zum 30. 05 Fotoausstellung im Sweet Home Cafe´
Altes Bahnhofsviertel/Korallusviertel - Ein großer Teil der immer baufälliger werdenden Häuser gehört der Gagfah: Außer Mieterhöhungen hat dieser Vermieter hier nicht viel vor. Manche Leute wollen das nicht mehr hinnehmen. Neue Mitte Wilhelmsburg - Der Stadtteil soll ein neues Gesicht bekommen: Viel Beton, ein Behördentempel, Parkplätze, Speditionen und Autobahnzubringer sollen den Gold(Fein)staub der Urbanität so richtig zur Geltung bringen. Bäume und Biotope stehen dabei der Höherverwertung im Wege. Die Gartenschau- Experimente des 'Unternehmens Hamburg' zum Umgang mit dem öffentlichen Raum: Für Wohnen in Intensivlärmgebieten und kommerzielle Trendsportstätten werden Investoren gesucht. Sumpfwald und Kleingärten sind schon mal abgeräumt.
Fahrradtour- Wo landet der „Sprung über die Elbe eigentlich??
Stationen: Perlenkette der Logistik-Vom Biotop zu total Tot, Wieviele Container passen auf ein Fußballfeld? DOCKVILLE: Kunst und Kultur schafft Platz für Parkplätze und Eventkultur, IGS Kahlschlag: Ein Vorgeschmack auf Blümchenshow statt„ungeordneter Natur“. Wasserwege: Mit der Barkasse von Rathaus zu Rathaus- Nachhaltigkeit? Veringkanal: Der dreckigste Kanal Hamburgs- Ein Anglerparadies! IBA Weltquartier- So schön kann Multi-Kulti klingen…
*** GENTRI... WAS? ***
„Gentrification“: London, 1964: Ehemalige Stallungen oder Cottages - kleine Häuschen mit zwei Räumen oben, zwei unten - sind in elegante, teure Wohnungen umgebaut worden. Heruntergekommene größere Häuser im viktorianischen Stil, zuvor noch als Pensionen genutzt, wurden ebenfalls aufgewertet und neu bezogen. Dies sind Anzeichen einer Entwicklung, der die britische Stadtsoziologin Ruth Glass den Namen "Gentrification" gibt. Begrifflich lehnt sie sich dabei an den Zuzug des englischen Landadels (landed gentry) in die städtischen Ballungsgebiete im 18. Jahrhundert und die damit verbundene Verdrängung der ansässigen Bevölkerung an. Denn auch 1964 beobachtet sie einen Verdrängungsprozess: In den von ihr untersuchten innerstädtischen Vierteln werden fast alle ursprünglichen Bewohnerinnen aus der Arbeiterklasse durch zahlungskräftigere Mittelschichts-Angehörige ersetzt. Letztlich ändert sich damit auch der gesamte soziale Charakter des Wohngebietes.
Heute ist der Begriff Gentrification oder Gentrifizierung nicht nur in der Stadtforschung zu Hause, sondern auch in Kämpfen um städtische Freiräume oder bei Mieter/innen-Protesten. Ausgelöst wird Gentrifizierung durch gesteigerte private und öffentliche Investitions- und Modernisierungstätigkeiten. Mieter/innen, die sich die erhöhten Mieten nicht mehr leisten können oder wollen, verlassen das Viertel. Je attraktiver dieses wird, desto mehr nehmen auch Versuche zu, Altmieter/innen zu vertreiben. Vermieter/innen wollen entweder durch Luxusmodernisierung und Neuvermietung Topmieten erzielen oder durch die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen Traumrenditen realisieren. Auch in Hamburg als Deutschlands Stadt der Millionäre profitieren diese unmittelbar (als Hauseigentümer) oder mittelbar (über Immobilienfonds) von der Umstrukturierung der inneren Stadt.
Für Kleingewerbetreibende sind die gestiegenen Mieten ebenfalls nicht mehr tragbar. Modische Klamottenläden und immer mehr Gastronomie werden schließlich ergänzt durch Filialen der Konsumketten, bis sich der Stadtteil kaum noch von einer x-beliebigen Fußgängerzone unterscheidet. Weichen müssen dafür Geschäfte, in denen die Bewohner/innen Sachen und Dienstleistungen für ihren Alltagsbedarf bekommen konnten und teilweise auch selbst gearbeitet haben.